Vom Wolf zum Hund [Teil I]

vom_Wolf_zum_Hund

Der Hund gilt als eines der ältesten Haustiere und übernimmt für den Menschen die verschiedenste Aufgaben. Spielkamerad, Bewacher, Therapiehund oder Arbeitstier. Ebenso vielfältig, wie die Einsatzgebiete des heutigen Haushundes sind die heutigen Hunderassen. Allein in Deutschland  leben heute ca. 5,4 Millionen Hunde. Alle diese Tiere stammen trotz ihrer teils drastischen, optischen Unterschiede vom Wolf ab. Wie kam es aber dazu, dass Mensch und Wolf sich annäherten? Betrachtet man das Wesen des Wolfes, wird schnell klar, dass ein langwieriger Prozess vom Wolf zum Hund nötig war.

 

Vom Wolf zum Hund… Die zwei Szenarien

Egal wie groß oder klein ein Haushund heute sein mag, alle Hunderassen lassen sich auf den Wolf zurückführen. Allgemein wird davon ausgegegangen, dass ca. 13000 v. Chr. die Domestizierung vom Wolf zum Hund im heutigen China begann. Auf der Basis von Gentests lassen sich alle heutigen Hunde auf den Genpool von ungefähr 2000 Wölfen zurückführen. Ob der Wolf als erstes auf den Menschen zukam oder umgekehrt, ist bis heute nicht geklärt.

Man geht aber davon aus, dass der Wolf die Nähe des Menschen suchte, um etwas von dessen Nahrung zu erlangen. Auch heute lassen sich ja Wildschweine oder auch Füchse verstärkt in Stadtgebieten beobachten. Während man anfänglich davon ausging, dass wilde Wolfswelpen vom Menschen aufgezogen und damit gezähmt wurden, skizzieren Wissenschaftler heute ein anderes Szenario.

laufender_Wolf_im_Schnee

Wölfe lassen sich zwar als Welpen zähmen, kehren aber nach der Geschlechtsreife schnell in ihre alten Verhaltensmuster zurück. Ebenso lässt sich diese antrainierte Zahmheit nicht vererben. Bei Hunden liegt diese Haltung aber im Genom. Ein weiteres Indiz gegen die aktive Zähmung durch den Menschen, ist die anstrengende und zeitintensive Sozialisierung eines wild lebenden Wolfes. Da die Sozialisierung bereits im Säuglingsalter erfolgen musste, ist diese Variante unter den Voraussetzungen der Steinzeit kaum möglich gewesen.


Milchgebende Haustiere zur Ernährung waren zu dieser Zeit nicht vorhanden. Welche Intention ein Mensch der damaligen Zeit zur Zähmung eines Wolfes haben sollte, ist mit Sicherheit der kontroverseste Punkt. Auch wenn Wölfe anatomisch zum Bellen in der Lage wären, geben sie keinen Bellton ab. Damit eignen sie sich nicht für den Wachdienst.

Jagen liegt in der Natur des Wolfes. Er wird aber nie seine Beute mit einem Menschen teilen. Die Abrichtung zum Hütetier ist ebenfalls fast unmöglich. Außerdem hielten sich Menschen zu dieser Zeit keine Weidetiere. Eigentlich handelte es sich bei Menschen und Wölfen um Konkurrenten, die beide darauf fixiert waren die eigene Art zu erhalten. Niemand hätte zur damaligen Zeit die benötigten Ressourcen in die Zähmung eines wild lebenden Wolfes investiert.

 

Mehr über die Evolution
vom Wolf zum Hund im nächsten Beitrag

Es ist also unwahrscheinlich, dass sich der Weg vom Wolf zum Hund durch aktive Sozialisierung des Wolfes durch den Menschen ereignet hat. Welche Möglichkeit viel wahrscheinlicher war und weshalb der Wolf trotzdem der Urvater aller heutigen Hunderassen ist, können Sie demnächst unter wolf-dog-blog.com lesen.



 

Bewerte hier diesen Artikel:
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (5 votes, average: 5,00 out of 5)

Loading...

 

7 Gedanken zu „Vom Wolf zum Hund [Teil I]“

  1. Sehr interassenter Artikel! Ich informiere mich gerade nach Hunden im Allgemeinen, weil ich darüber nachdenke mir einen treuen Weggefährten zu holen und bin auf deinen Blog gelandet! Freue mich schon auf die Fortsetzung!

  2. Ein faszinierendes Thema .. immer wieder! Wir haben auch seit 2 Monaten einen Wheaten Terrier bei uns zu Hause – ein wenig überzüchteter Hütehund aus Irland – jedoch Ähnlichkeit mit einem Wolf… eher zufällig 🙂

  3. Der Wolf ist allein schon dadurch interessant, weil man von seinem Verhalten innerhalb des Rudels viele Rückschlüsse auf das Verhalten unserer Vierbeiner und derzeitigen Hausgenossen ziehen kann.

    Allerdings haben sich bei unseren jetzigen Hunderassen unterschiedliche Mentalitäten herausgebildet (Hütehund, Schutzhund, Jagdhund usw.), so dass sich das Verhalten des Wolfes nicht unbedingt 1:1 auf unsere vierbeinigen Begleiter übertragen lassen.

    Und dennoch: Der Wolf hilft, unseren Hund besser verstehen zu lernen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.